Donnerstag, 22. August 2013

1916: Mark Twain: The Mysterious Stranger (USA)


Satan reached out his hand and crushed the life out of them with his fingers, threw them away, wiped the red from his fingers on his handkerchief, and went on talking where he had left off.

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Betrug, Betrug: Dies Büchlein dürfte es de jure nicht geben. De facto allerdings: erschien es als posthumer Roman von Mark Twain. Nur haben sich die Herausgeber da etwas zurechtgebastelt, das zwar eine Menge Twain enthält, aber nach Art des Formschinkens. Hier ein Stück aus dieser Fassung, da ein Stück aus einer anderen, die durchaus unterschiedlichen Namen des Protagonisten flugs angeglichen und hier und da auch der Abrundung halber selbst was dazuverfasst als Twain-Pastiche. Jahrzehntelang kam das nicht raus und galt als des berühmten Autors letzter Roman.

Mir kann es egal sein. Und sehr seltsam ist das Buch als Projekt in den unterschiedlichen Fassungen auch so. Österreich, Frühneuzeit, Winter 1590 - Ort und Zeit also durchaus ungewöhnlich. Und dann tritt Satan auf, allerdings nicht mit Satan zu verwechseln. Dabei verwandt, es ist der Neffe, der in dieser Parabel aus heiterem Himmel im kleinen österreichischen Weiler Eseldorf auftaucht. Ein paar Jungs, darunter der Ich-Erzähler, freunden sich mit ihm an. Satan kann tolle Sachen: Er vermehrt Speis und Trank, zum Beispiel. Vor allem aber kann er in Lebensläufe eingreifen, zum besten, sagt er, der betroffenen Menschen. Das wäre schön, denn Verbesserungsbedarf besteht. Hexen werden verbrannt, Denunziation herrscht, der Mensch ist des Menschen Wolf. Leider aber ist Satan in Wahrheit ein grandioser Verschlimmbesserer vor dem Herrn. Seine Eingriffe führen meist zu schnellerem Tod, die Maßstäbe, an denen Satan das als Verbesserung misst, können keine menschlichen sein.

Eine Parabel übers irdische Missvergnügen in S, die wie alle Parabeln nicht an ihrer Botschaft gemessen sein will, sondern an den Einfällen, die sie hat, um diese an den Mann zu bringen. Schöne, schön böse Momente hat das. Satan erschafft ein paar Menschlein und als sie ihm auf die Nerven gehen, werden sie flugs wieder zerquetscht. Erzählmoralisch ist das kompliziert: Satan ist der große amoralische Drübesteher, gegen den sich der Ich-Erzähler empört. Die Twain-Perspektive geht weder im einen noch im anderen auf: Sie ist durch den Zynismus schon durch und steht, aber von Hoffnung befreit, über den Undingen der Welt. Die Herausgeber haben ein Loblied auf den Atheismus als Ende fingiert. In Wahrheit hat Twain das in mehreren Versuchen eben nicht schlüssig abbinden können. Wahrscheinlich liegt gerade darin eine moralische Stärke.

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