Dienstag, 3. September 2013

1918: Booth Tarkington: The Magnificent Ambersons (USA)


When times are gone they're not old, they're dead! There aren't any times but new times!

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Ein Abgesang, ein großer Abgesang - und im übrigen mittlerer Teil einer Trilogie aus Standalone-Romanen, von denen dieser nicht nur wegen der Verfilmung durch Orson Welles der berühmteste ist. (Booth Tarkington erhielt auch einen seiner beiden Pulitzer-Preise dafür.) Die Ambersons, magnificent noch im Titel und in der Tat zu Beginn des Romans, sind eine zu Reichtum und Ruhm in der Stadt gelangte Familie. Sie besitzen Häuser und Grund, man kennt ihren Namen und beobachtet sie und ihr Tun wie das kleiner Könige. Der Beginn, von dem aus es hinab und dahin und Richtung Gegenwart geht, spielt kurz nach dem Bürgerkrieg. Schauplatz ist eine ungenannte Stadt, die nach Indianapolis modelliert ist - Tarkington gilt als großer Epiker des Mittleren Westens.

Epos heißt hier: Es wird über Generationen erzählt. Im Zentrum steht, als Figur, die den Niedergang erlebt und verkörpert, George Amberson Minafer, ein Mann, der in Stolz und Selbstgerechtigkeit blind ist für das, was sich um ihn herum vollzieht. Seine Mutter hatte einst den solideren, aber eben auch wenig aufregenden ihrer zwei Bewerber gewählt. Der Konkurrent kehrt nach zwanzig Jahren zurück in die Stadt, als Unternehmer und Innovator: Er baut und verkauft Autos. Erst rufen ihm die Jungs auf den Straßen noch "Gitt a hoss!" hinterher, dann sieht auch der gleichfalls spottende George Amberson - in jeder Hinsicht hoch zu Roß - nur noch die Rücklichter des neuesten Wagens. Ziemlich kompliziert überkreuz sind die Liebesgeschichten gebaut, die Tarkington gekonnt tragifiziert. Die Mutter liebt den, den sie nicht nahm, noch jetzt. Der Sohn unterbindet die nach dem Tod des Vaters mögliche Ehe, hat freilich ein Auge auf die Tochter des Autounternehmers geworfen.

Das ist ohne Zweifel etwas schematisch. Das Auto als Dingsymbol des Fortschritts: Geschenkt. An der Deutung lässt Tarkington mit einem elegischen Einstieg kaum einen Zweifel. "The Magnificent Ambersons" ist Abgesang, erzählt von Niedergang. Alles wird grau im Ruß der Industrialisierung. Jedoch sieht der Erzähler genau hin und kennt mit den Verblendeten, die mit der Zukunft keine gemeinsame Sache machen, selbst fast keine Gnade. Noch das letzte, was von den Ambersons blieb, der Name einer immer unbedeutender werdenden Straße im einstigen Zentrum der Stadt, wird beseitigt. In einem letzten Atemzug immerhin werden die Familien versöhnt.

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