Montag, 16. September 2013

1921: Rafael Sabatini: Scaramouche (Großbritannien)


For your eloquence and your arguments shall be my heritage from you. I will make them my own. It matters nothing that I do not believe in your gospel of freedom. I know it - every word of it; that is all that matters to our purpose, yours and mine. If all else fails, your thoughts shall find expression in my living tongue.

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Eine Romanze aus der Französischen Revolution: Der Untertitel trifft es, trifft auch das Frivole dieses Historienromans. Von der Provinz, der Bretagne aus nähert er sich dem Zentrum, Paris, in den Jahren (vor) der Revolution. Einen tollen Helden hat er, André Louis-Moreau, Anwalt von Beruf, Swashbuckler, Schauspieler, Teufelskerl von Bestimmung. Er wiegelt die Massen auf, ohne überzeugt zu sein von der Notwendigkeit der Revolte; zugleich aus echter Empörung über den skrupellosen Mord an einem Freund, mit dessen Stimme er spricht. Für Moreau ist vieles ein Spiel, ein Experiment, er ist in manchem mit Diderots Konzept vom Darsteller verwandt: keiner, der in seinen Rollen aufgeht, sondern einer, der in jeder Rolle noch über diese reflektiert und mit ihr spielt - und den gerade das zu den erstaunlichsten Anverwandlungen und Virtuositäten befähigt.

Auf die Bühne flieht er als politisch Verfolgter. Die ziemlich verpeilte Commedia-dell'Arte-Truppe, in die er durch reinen Zufall gelangt, mischt er auf und führt sie zu Erfolgen auf öffentlichen Bühnen. Ein wenig allegorisiert Rafael Sabatini hier, mit dem Commedia-dell'Arte-Theater, auch sein eigenes Unterfangen. Eine eigentlich nicht mehr ganz auf dem Stand des ästhetischen Materials befindliche Kunstform, der wenig durchpsychologisierte, von keinen Formexperimenten angekränkelte Abenteuerroman, wird auf sehr überzeugende Weise reimaginiert und wiederaufgeführt. (Die Nachnamensgleichheit der Helden lässt vermuten: Scaramouche ist auch als Kontrafaktur von Flauberts Revolutions-Nichtromanze Education sentimentale intendiert.)

Aufs Theater folgt Schwertkampf, erst im Privaten, dann auf den Bühnen der sich jetzt tatsächlich entfaltenden Revolution. André-Louis Moreau ist ein tolles Subjekt für einen solchen Roman, durch und durch Spieler, Liebender, der sich von zwischendurch gefassten Heiratswünschen schnell wieder losmachen kann. Scaramouche in der Tat, Clown mit verstellter Sprache, einer, den das Schicksal beutelt wie der Sturm ein Schiff auf der See, und doch auch einer, der da nur deshalb heil rauskommt, weil er zwar ohne großen Plan, aber als Situationsmächtiger ein beträchtlich begabter Steuermann seiner selbst ist.

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