Pietro betrachtete den Rauch, und dabei sah er - wie etwas ganz Reales, das ihm ein Unwohlsein verursachte -, seine Mutter vor sich, wie sie zu Hause zu einer Schublade ging und etwas herausnehmen wollte. Aber alles wich vor ihr zurück! Und als sie trotzdem nicht aufgab, verschwand die Schublade in der Wand. Da war es ihm, als spüre er ihre Hände auf seinem Gesicht, wie einen großen Kuß: also ob die Hände ihn küßten.
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Der Vater ist ein fremdes Prinzip. Gastwirt in Siena, "Il Pesce Azurro", es gibt in seinem Leben nichts als Geld und Besitz und niemand bekommt etwas umsonst. Der Sohn, Pietro, den ihm die Frau nach sieben Toten als achten und gebar, kann ihm nur schwächlich erscheinen mit seiner Liebe zu Büchern, mit seiner Indolenz, dem Fehlen jedes entschlossenen Willens. Fast, denkt man, lebt dieser Sohn für ihn nicht. Pietro besucht die Malschule, vielleicht ist etwas mit Kunst das, was er sucht, aber es gelingt nicht, eine schiefe Zeichnung wird kurz vor Augen geführt, er verfolgt das nicht weiter. Scheitern, ohne es groß versucht zu haben: darauf läuft vieles in seinem Leben hinaus.
Die Liebe vor allem. Da ist Ghisola, die Nichte seiner Amme, mit der er auf dem Gehöft des Vaters gespielt hat. Sie begehrt er, oder eher: Sie zu begehren ist er entschlossen. Und er sieht nicht, oder will nicht sehen, dass Ghisola längst eine ausgehaltene Frau ist. Er nähert sich ihr, er verspricht ihr die Ehe, will sie aber davor nicht berühren. Daraus macht Tozzi, der Wissensvorsprünge erlaubt, dagegen aber per erlebter Rede auch Empathie mit seinem Protagonisten stellt, einen komplizierten Schreittanz des Unausgesprochenen. Das Öffnen der Augen erfolgt spät, sehr spät, auf der letzten Seite erst - nicht als Erlösung, sondern als Einsturz einer zuvor schon mehr als prekären Existenz, für die das Leben (dies Leben) selbst ein fremdes Prinzip scheint.
Irgendwie ist «Ghisola» ein typischer, spätromantischer, unmöglicher italienischer Romanfigurname.
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