As yet, the whole thing was a mystery.
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Tatsache: Ein Admiral treibt im Wasser. Er ist tot. In einem Boot auf einem englischen Fluss nahe der Mündung ins Meer. Darum hat der Fluss Ebbe und Flut und das Vor und Zurück des Bootes wegen Tidenhub gehört zu den Faktoren, die der Ermittler bei seinem Rätsellösungs- bzw. Mordaufklärungsversuch berücksichtigen muss. Ein bisschen ist das Vor und Zurück auch allegorisch. Neun Autorinnen und Autoren hat dieser Roman, jeder hat ein Kapitel verfasst, in dem er oder sie Rätsel aufgibt, die der Nachfolger fortspinnen und der letzte (Anthony Berkeley) auflösen muss. Kriminalliteratur als Gesellschaftsspiel also, die Teilnehmer sind heute noch sehr (Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Gilbert Keith Chesterton), halbwegs (Freeman Wills Crofts) oder kaum noch (Canon Victor L. Whitechurch, Milward Kennedy) bekannt.
tilistisch fällt die Uneinheitlichkeit der Autorschaft fast nicht auf. Das spricht womöglich für den Roman und womöglich gegen seine Verfasser. Gebrauchsprosa ohne besondere Kennzeichen. Auch sonst eher Krimi nach Landhausrezept. Verdächtige werden durchs Bild geschoben, Indizien und rote Heringe auffällig unauffällig verräumt. Eine Vorgeschichte führt nach Hongkong (worauf sich Chesterton in seinem gewohnt listigen Vorwort bezieht). Uhrzeiten, Alibis, Bewegungen, Verkleidungen, alles drin, alles dran. Trotzdem: Als Kriminalroman ist der im Wasser treibende Admiral eher läppisch.
Als Erzählexperiment aber interessant. Cadavre exquis, buchstäblich. Man spürt den Kampf jedes einzelnen um die Kontrolle des Textes, gerade im Bemühen, diesen Kampf nicht spürbar werden zu lassen. Die Genreklischees verdecken die Unruhe in einem Text, der nie weiß, wie er gemeint war oder gewesen sein wird. Etwas wird mit Intention hineingetan, das die Weitererzählerin ignoriert. Leser, die zu Autoren werden, geben den Autoren, die Leser werden, Rätsel auf. Und für den außenstehenden Leser wird nicht die Erzählung, sondern das Erzählen zum Schauplatz loser Intentionalitäten. Leider wird am Schluss ganz aufgeräumt, nicht nur im letzten Kapitel. Jeder einzelne musste eine Lösung verfassen, für den Zeitpunkt, da er seine Erzählung an den nächsten weitergab. (Bis auf die ersten: Da fehlt noch Stoff.) Dorothy Sayers macht daraus einen halben Roman. Rätselkrimi heißt Aufräumwahn.
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