Freitag, 18. Oktober 2013

1927: François Mauriac: Thérèse Desqueyroux (Frankreich)

Argelouse is truly a land's end, one of those places beyond which there's nowhere to go. Less than a village, it is what people in this region call a quartier; it is a hamlet with a few tenanted farms scattered around a rye field, without a church or town hall or even cemetery, ten kilometers from the village of Saint-Clair, to which it's connected by a single dirt road.

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Sie kommt aus dem Gericht, von Anwalt und Vater gerahmt, sie ist frei. Thérèse Desqueyroux hat einen Anschlag aufs Leben ihres Ehemanns unternommen, an ihrer Schuld lässt ihr innerer Monolog keinen Zweifel, aber vor den Augen des Gesetzes ist sie unschuldig. Bernard, ihr Ehemann, der genau weiß, dass ihm Thérèse nach dem Leben getrachtet hat, befreit sie mit einer Falschaussage von jedem Verdacht. Nicht aus Liebe, gewiss nicht. Und in Wahrheit ist Thérèse alles andere als frei, das wird immer klarer, je näher sie auf der Fahrt vom Gericht zurück ans Ende der Welt dem sie erwartenden Ehemann kommt. Innere und äußere Landschaften ziehen vorbei, in genauer, lakonisch poetischer Sprache, die auf symbolisches Ineinanderspiegeln von Seele und Natur verzichtet.

Argelouse, das ist das Ende der Welt. Der prosaische, jagdbegeisterte Mann, dem Ehre und Ansehen über alles gehen - er ist für Thérèse gerade in seinem vollkommenen Mangel an Dämonie die reine Hölle. Mauriac leiht, oder schenkt, ihr seinen subtilen Blick, seine zarten Seelenregungen, seine Verzweiflung. So sehr, dass man als Leser selbst Gift mischen möchte. Und dann sperrt Bernard sie ein, in Argelouse, im Haus, mad woman in the Obergeschoss, Thérèse, die nicht schön ist, aber Charme hat und die sich diese Rückkehr ganz anders ausgemalt hat: "How completely we can reshape the people we know as soon as they're not close by!"

Thérèse kann Bernard nicht umträumen, und er räumt sie einfach weg. Sie soll festgefroren werden, sozial, aber auch ganz konkret: im Haus, in Argelouse. Solange bis man sie ohne Schaden loswerden kann. Als das geht (Bernards Schwester ist, noch ein Unglück, unter der Haube), wird er sie los. Nach Paris, aus den Augen, aus dem Sinn. Das hätte man dann doch nicht zu hoffen gewagt: Eine offene Zukunft als unter diesen Umständen mehr als glückliches Ende.

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