Er wollte die Töne, die Düfte, sogar die Farben verjagen, all diese zahllosen Einzelheiten, die Erinnerungen wachrufen. Er fuhr schnell, glücklich, die Gefahr so nahe zu spüren. Weder Hunger noch Müdigkeit ließen ihn halten. Im Gesang des Motors, in der monotonen und rasenden Flucht der Landschaften fand er eine Freude, die ihn so erregte, daß er immer schneller vorwärts jagte. Die Stunden lösten sich im Staub und Lärm auf.
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Ein Roman, der auf der Höhe, ja auf dem Wellenkamm seiner Gegenwart nicht nur spielt, sondern verfasst ist. Surrealistisch nicht, weil er die Wirklichkeit hinter sich lässt, sondern weil er sie in Tempo und Figurenzeichnung zuspitzt und forciert. Dabei fast ein Schlüsselroman. Der große Mann, der hier Lucien Gavard heißt, war jedem, auch ihm, als Autofabrikant Louis Renault mühelos zu erkennen, zudem der Onkel Soupaults. Mit den Schritten eines Riesen erzählt der Roman von Emanzipation, Erfindergeist, Tatkraft und Aufstieg des Mannes, der sich den Erfolg einfach nimmt. Und auch die Frau, eine Schönheit, die den großen Mann sicher nicht liebt, aber kühl und kalt das Geld, das Leben der Reichen, die Partys und vielleicht auch den Ennui und das Leiden daran nicht sucht, aber will. Der Wille tritt hier allerdings auf als eine quasi-objektive Kraft, die mit Individualität nichts zu tun hat.
Ebenfalls auftritt, als Klischee einer anderen Kraft, der schwarze Tenor Putnam. Er verdreht mit seiner Stimme, seiner Eleganz und dem Tierhaften, das die Gesellschaft ihm als Schwarzen mit Lust unterstellt, tout Paris den Kopf. Auch die Frau des großen Mannes lässt er nicht kalt; oder jedenfalls schüttelt er die Eiswürfel, aus denen ihre Gefühle bestehen, ein wenig zurecht. Ein vor und zurück, ein Hin und Her: Bewegung im kubistischen Kräftefeldraum dieses Romans. Dessen Erzähler übrigens sagt zwar gelegentlich ich, erhält aber keine Kontur als Person.
Alles ist hier nur Zug, Vektor, ein Roman in Szene und Umschwung. Als animal triste kehrt der große Unternehmer von einer US-Reise zurück: Gegen den amerikanischen Autokapitalismus ist sein französisches Reich doch sehr alte Welt. Wie vermutlich auch die Frage danach, ob das aus einer kritischen, satirischen oder überhaupt identifizierbaren Haltung erzählt ist: All dies nicht, dabei sehr wohl böse, aber durch die Mimesis ans Kraftfeld des Erzählten in dieses sozusagen hineinobjektiviert.
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