Dienstag, 22. Oktober 2013

1928: William Somerset Maugham: Ashenden (Großbritannien)


For Mr. Harrington was a talker. He talked as though it were a natural function of the human being, automatically, as men breathe or digest their food; he talked not because he had something to say, but because he could not help himself, in a high-pitched, nasal voice, without inflection, at one dead level of tone. He talked with precision, using a copious vocabulary and forming his sentences with deliberation; he never used a short word when a longer one would do; he never paused. He went on and on. It was not a torrent, for there was nothing impetuous about it, it was like a stream of lava pouring irresistibly down the side of a volcano.


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Bücher, die mit einer Poetik beginnen, sind erst mal verdächtig: Verteidigungshaltung. William Somerset Maugham schreibt vor, gibt Präskription und Rezept fürs Verfassen guter Fiktionen. Eine Geschichte hat Anfang, Mitte, Ende zu haben, und zwar - Anti-Godard - in genau dieser Reihenfolge. Alles andere ist Wirklichkeit, Durcheinander, keine Literatur. Klingt nach Avantgardeverachtung und ist es auch. Was setzt Maugham hier unter Rechtfertigungsdruck? Simpel: Er erzählt aus seinem Leben. Das aufregend klingt: die Jahre als Geheimagent während des Krieges. Was, versichert er, nur sehr stellenweise aufregend war: im Alltag ereignislos, monoton. Diese Monotonie will er nicht erzählen, erzählte Monotonie ist keine Literatur. Literatur ist Rettung des langweiligen Alltags in komponierte Fiktion. So sieht es aus.

Ashenden ist keine Memoirenliteratur, den Bruchstücken aus dem Realen zum Trotz. Übrigens auch kein Roman, streng genommen, sondern eine Reihe von Erzählungen aus dem Leben des Titelhelden, den Maugham - Dienst ist Dienst und Fiktion ist Fiktion - in die dritte Person überführt. Und er tut das äußerst gekonnt. Einseitige Poetiken sind ein Problem, eine einseitige Begabung, die ihre Einseitigkeit poetologisch verschleiert, ist keines. Somerset Maugham kann nämlich erzählen. Seine Geschichten haben Anfang, Mitte und Schluss, in dieser Reihenfolge. Am Ende gerne eine Pointe. Mal tödlich, mal todtraurig, mal in ihrer Bösartigkeit beinahe komisch. Der mit viel Aufwand vom haarlosen Mexikaner getötete Mann war zum Beispiel der falsche. (Kein Wunder, dass Hitchcock da für seinen "Secret Agent" zugriff.) Dann gibt es eine Liebesgeschichte, die schön umwegig davon erzählt, wie einer auf das richtige Leben aus schlechten Gründen verzichtet. Das ist auch die Geschichte, die sich als das Rohmaterial für die Erzählung gibt, die sie ist. Was fast postmodern klingt. So meint Somerset Maugham das nicht. Gutes Erzählen hat außerdem seinen Preis: Den Mangel an Monotonie merkt man den Erzählungen manchmal als Anstrengung an. Trotzdem: Das sind tolle Mensch-im-Zwiespalt-Geschichten.

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